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Am Pflanzenschutzkartell waren nach den Feststellungen des Bundeskartellamts mindestens acht Großhändler von Pflanzenschutzmitteln beteiligt, die sich über Preislisten, Rabatte und einige Einzelpreise beim Verkauf an Einzelhändler und Endkunden in Deutschland kartellrechtswidrig abgesprochen haben.

Die Absprachen wurden von 1998 bis März 2015 praktiziert.

Beteiligte Unternehmen:

  • AGRAVIS Raiffeisen AG, Hannover/Münster
  • AGRO Agrargroßhandel GmbH & Co. KG, Holdorf
  • BayWa AG, München
  • BSL Betriebsmittel Service Logistik GmbH & Co. KG, Kiel
  • Getreide AG, Hamburg
  • Raiffeisen Waren GmbH, Kassel
  • ZG Raiffeisen eG, Karlsruhe
  • Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG, Köln

Alle acht Unternehmen haben den vom Bundeskartellamt ermittelten Sachverhalt inzwischen bestätigt und einer einvernehmlichen Verfahrensbeendigung zugestimmt (sog. „Settlement“). Die Kooperation der Großhändler führte zu einer Reduzierung des jeweiligen Bußgeldes. Gegen die Beiselen GmbH hat das Bundeskartellamt keine Geldbuße verhängt. Denn die Beiselen GmbH hat als sogenannte Kronzeugin dem Bundeskartellamt erstmalig Kenntnis von dem Kartell verschafft.

Gegenstand des Kartells:
Nach den Erkenntnissen des Bundeskartellamts haben die Kartellanten jeweils im Frühjahr und Herbst ihre Preislisten für Pflanzenschutzmittel miteinander abgestimmt. Grundlage der Abstimmung war eine gemeinsame Kalkulation der Großhändler, die zu weitgehend einheitlichen Preislisten für Einzelhändler und Endkunden führte. Für zentrale Produkte haben sich die Kartellanten zum Teil sogar darüber abgesprochen, welche Rabattspannen auf diese Preislisten zu gewähren sind und darüber hinaus teilweise selbst über „Netto-Netto-Preise“, also über die Abgabepreise gegenüber Einzelhändlern ohne weitere Rabattierung.

Ablauf des Kartells:
Zu Kartellbeginn haben sich die Kartellanten mehrmals im Jahr getroffen, um sich auf (rabattfähige Brutto-)Listenpreise zu verständigen. Später erfolge die Abstimmung überwiegend schriftlich und telefonisch. Die vier führenden Großhändler im Markt – zwei genossenschaftlich organisierte Großhändler und zwei private Großhändler – haben grundsätzlich die Vorabstimmung der Kalkulation dieser Preisangaben übernommen. Im Anschluss daran haben sich die Kartellanten, aufgeteilt in zwei Lager, weiter abgestimmt, und zwar einerseits unter den genossenschaftlich organisierten Großhändlern und andererseits unter den nicht-genossenschaftlich organisierten Großhändlern.

Das Ergebnis dieser Abstimmung, die Kalkulationsschemata sowie die fertig berechneten (rabattfähigen Brutto-) Preislisten, wurde dann allen Unternehmen jeweils zur Frühjahrs- und Herbstsaison zur Verfügung gestellt.

Die genossenschaftlich organisierten Großhändler haben darüber hinaus bis ins Jahr 2012 für zentrale Produkte zu gewährende Rabattspannen sowie teilweise Netto-Netto-Preise abgesprochen. Die weiteren Kartellanten waren an diesen Absprachen zumindest bis ins Jahr 2008 beteiligt.

Den Fallbericht des Bundeskartellamts finden Sie hier.
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